Für Generalkritik gilt derselbe Maßstab für alle:
Wer Unsinn verbreitet, bleibt Unsinnverbreiter – unabhängig davon, ob er bei ARD, ZDF, Springer, NachDenkSeiten, Apollo News oder auf einem privaten YouTube-Kanal sitzt.

Für Generalkritik gilt derselbe Maßstab für alle:
Wer Unsinn verbreitet, bleibt Unsinnverbreiter – unabhängig davon, ob er bei ARD, ZDF, Springer, NachDenkSeiten, Apollo News oder auf einem privaten YouTube-Kanal sitzt.

Unsinn-Verbreiter im Internet zerstören Glaubwürdigkeit
So oder ähnlich klingen zahllose marktschreierische Überschriften auf YouTube, Facebook und anderen Plattformen. Es sind Glaubwürdigkeitszerstörer. Ein auffälliges Merkmal solcher Internet-Aufreger: Häufig fehlt das Datum. Viele Videos wirken dadurch aktuell, obwohl sie Monate oder sogar Jahre alt sind.
Nicht nur ARD, ZDF und große Zeitungen korrigieren ihre Irrtümer selten sichtbar. Auch zahlreiche alternative Medien leben von zugespitzten Prognosen, die später stillschweigend in den Archiven verschwinden.
Dank moderner Suchmaschinen und KI-Recherchen lässt sich der Wahrheitsgehalt spektakulärer Behauptungen heute oft innerhalb weniger Minuten überprüfen. Umso erstaunlicher ist es, wenn erfahrene und ansonsten gut informierte YouTuber Behauptungen verbreiten, die einer näheren Überprüfung nicht standhalten.
„Kritische Medien“ – reißerisch, aufputschend und falsch
An einem konkreten Beispiel soll deutlich werden, wie manche alternativen Medien genau in jene journalistischen Muster verfallen, die sie bei den Leitmedien regelmäßig kritisieren.
Der bekannte YouTube-Kanal „Vermietertagebuch“ von Alexander Raue veröffentlichte am 24. Februar 2024 ein Video mit dem Titel: „Ukrainischer Armee-Chef Saluschnyj ruft zu den Waffen GEGEN Selenskyj!“ Im Begleittext hieß es unter anderem: „Der ukrainische Armee-Chef Saluschnyj ruft jetzt in einem Video zu den Waffen und zum Kampf gegen Selenskyj auf! Jetzt geht’s richtig rund!“
Bis heute finden sich jedoch keine belastbaren Belege dafür, dass Saluschnyj jemals öffentlich zu einem bewaffneten Aufstand gegen Präsident Selenskyj aufgerufen hätte.
Tatsächlich gab es zwischen beiden einen ernsthaften Macht- und Strategiekonflikt. Saluschnyj wurde Anfang 2024 als Oberbefehlshaber entlassen und später Botschafter in Großbritannien. Aus diesem realen Konflikt wurde jedoch offenbar Schritt für Schritt ein immer spektakuläreres Narrativ:
„Konflikt zwischen Selenskyj und Saluschnyj“- → „Saluschnyj plant einen Putsch“ –→ „Saluschnyj ruft zu den Waffen gegen Selenskyj“.
Genau so funktioniert politischer Klickköder.
Bemerkenswert ist auch, dass das Video bis heute online steht, obwohl sich die zentrale Behauptung nie bestätigt hat. Wäre Saluschnyj tatsächlich zum bewaffneten Kampf gegen den ukrainischen Präsidenten aufgerufen, wäre dies eines der größten politischen Ereignisse des Jahres gewesen und weltweit dokumentiert worden. Nichts davon ist geschehen.
Mein Urteil:
Die Überschrift erzeugte objektiv einen falschen Eindruck. Sie war nicht bloß zugespitzt, sondern überschritt die Grenze zur Irreführung.
Noch problematischer ist etwas anderes: Wer ständig von den Fehlern und Manipulationen der „Mainstream-Medien“ spricht, sollte an die eigene Arbeit mindestens dieselben Maßstäbe anlegen. Andernfalls wird aus Medienkritik lediglich eine andere Form desselben Geschäftsmodells: Aufmerksamkeit um jeden Preis.
Ein seriöser Aufklärer müsste entweder belastbare Belege nachreichen, die ursprüngliche Behauptung sichtbar korrigieren oder das Video entfernen. Einfach so weiterlaufen zu lassen, weil die Empörungswelle längst neue Themen gefunden hat, ist journalistisch die bequemste, aber nicht die überzeugendste Lösung.
Gerade deshalb gilt für Generalkritik derselbe Maßstab für alle: Wer Unsinn verbreitet, bleibt Unsinnverbreiter – unabhängig davon, ob er bei ARD, ZDF, Springer, NachDenkSeiten, Apollo News oder auf einem privaten YouTube-Kanal sitzt.
*Das kleine „Stimmt das?“ am Ende vieler politischer YouTube-Videos ist ein beliebter Trick. Die spektakuläre Behauptung steht bereits in Titelbild und Vorspann. Die eigentliche Prüfung erfolgt erst später im Video – nachdem der Klick längst gezählt wurde.
„Wer ständig die Fehler der Mainstream-Medien anprangert, sollte an die eigene Arbeit mindestens dieselben Maßstäbe anlegen.
Alles andere ist keine Aufklärung, sondern nur Konkurrenz im Empörungsmarkt.“