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Der starke Kern des Andy-Reels ist die Frage, ob eine so folgenreiche staatliche Beschuldigung ausreichend transparent begründet wurde.

Andys Hauptvorwurf lautet, die Bundesregierung verlange von der Bevölkerung Vertrauen, obwohl sie ihre Beschuldigungen nicht öffentlich nachvollziehbar belege.

 

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Deutschland im Drohnenkoller

Oder: Jede Drohne im Garten – ein Fall für die NATO

Glosse

Es gibt derzeit kaum etwas, das den deutschen Gefühlshaushalt zuverlässiger in Wallung bringt als eine Drohne. Wo früher noch gefragt wurde, wem sie gehört, woher sie kommt und was tatsächlich geschehen ist, steht heute offenbar bereits fest: Der Russe war’s.

Eine Drohne wird gefunden oder gesichtet – und schon läuft die nationale Erregungsmaschine an. Politiker warnen, Experten deuten, Geheimdienste vermuten und Nachrichtensendungen malen jene Bedrohungsarchitektur aus, in der vom Leipziger Flughafen bis zum russischen Angriff auf die NATO nur noch wenige Flugminuten liegen. Was fehlt, sind öffentlich überprüfbare Beweise. Was reichlich vorhanden ist, sind Gewissheiten.

Nach dieser Logik sitzt Putin vermutlich persönlich in seiner Bastelstube und entwickelt Spezialdrohnen mit eingebauter Fehlzündung – eine Art fliegende Provokationsattrappe zum Ärgern der Deutschen. Weil deren Reichweite vom Kreml bis Leipzig nicht ausreicht, müssen eigens ausgebildete Agenten mit russischem Pass das Gerät unauffällig durch halb Europa transportieren. So stellt man sich offenbar die hybride Kriegsführung einer Atommacht vor: streng geheim, geopolitisch durchtrieben und am Ende irgendwo liegen geblieben.

Die politische Reaktion fällt entsprechend maßvoll aus: Das Russische Haus in Berlin wird geschlossen, das russische Generalkonsulat in Bonn gleich mit, und Russland antwortet mit der Schließung der Goethe-Institute. So wird aus einer Drohne eine diplomatische Abrissbirne. Putin dürfte darüber allerdings kaum weinend in seiner Bastelstube sitzen. Die Leidtragenden sind jene, die trotz allem noch an kulturellem Austausch festhalten – einer der letzten Verbindungen zwischen zwei Staaten, die politisch längst nur noch über Drohungen miteinander verkehren.

Wer bei dieser Beweiskette noch Fragen stellt, gerät schnell selbst unter Verdacht. Zweifel gelten nicht mehr als Voraussetzung vernünftiger Urteilsbildung, sondern als verdächtige Nähe zum Kreml. Im deutschen Drohnenkoller lautet die entscheidende Frage deshalb nicht mehr: „Was wissen wir?“ Sie lautet: „Wie schnell können wir Russland dafür bestrafen?“

Das tonangebende politische Deutschland zeigt derweil angeekelt und kopfschüttelnd auf Donald Trump. Man hält ihn für großspurig, unberechenbar, machthungrig und ständig widersprüchlich. Dass sich das Verhalten des deutschen Bundeskanzlers inzwischen gelegentlich nur noch in Tonlage und Frisur davon unterscheidet, entgeht offenbar seinen verbliebenen Bewunderern.

Mal erscheint Russland als militärisch erschöpft und unfähig, den Krieg gegen die Ukraine zu gewinnen. Im nächsten Augenblick steht dieselbe angeblich erschöpfte Macht kurz davor, Deutschland mit Drohnen zu destabilisieren, anschließend die NATO herauszufordern und vermutlich noch vor dem Wochenende bis zum Rhein vorzurücken. Russland ist in dieser Erzählung gleichzeitig schwach genug, um besiegt zu werden, und stark genug, um ganz Europa zu verschlingen. Je nach Bedarf wechselt die Bedrohungslage schneller als eine Regierungserklärung.

Der Drohnenkoller passt deshalb ausgezeichnet zum politischen Gesamtzustand Deutschlands: Eine Beobachtung wird zur Gewissheit, eine Vermutung zur Schuldzuweisung und eine Schuldzuweisung zur Staatsräson. Dazwischen bleibt kaum Platz für Ermittlungen, Beweise oder gar Zweifel.

So erzeugen Drohnensyndrom, Russlandfurcht und Aufrüstungsrhetorik tatsächlich eine Endzeitstimmung – zumindest die Endzeit der politischen Logik. Im sogenannten Land der Dichter und Denker ist inzwischen offenbar schon jeder Brummer im Vorgarten ein möglicher Bündnisfall.

Die Drohne ist klein. Der Erkenntnisschaden ist gewaltig.

Ein Kommentar

  1. Aus dem Internet gefischt: „Sprengsätze, Drohnen und andere Lügen“
    Es vergeht keine Woche, ohne dass in Deutschland und im Rest des Wertewestens irgendwo vermeintlich russische Drohnen, Sprengsätze, Pistolen oder sonst irgendwelche Dinge entdeckt werden. Und immer steht „Putin“ unter Verdacht.
    Obwohl sich bislang so gut wie alle Meldungen als falsch herausgestellt haben, wird die deutsche Bundesregierung nicht müde, zu betonen, wie wichtig es nun sei, Russland „niederzuringen“ (Originalton Sigmar Gabriel). Bei all den Forderungen fallen immer wieder sprachliche Parallelen zu Aussagen diverser Nazi-Größen in den dunkelsten Zeiten Deutschlands auf. Und ja, auch dieses Mal scheint man sich auf einen großen Krieg vorzubereiten, scheint man diesen herbeizusehnen und nichts auszulassen, um einen solchen loszutreten. Gleiwitz lässt grüßen, und unsere Medien und ein nicht geringer Teil der Industrie machen auch wieder fleißig mit. Man braucht anscheinend Krieg.
    Aber reden wir doch gerne mal über Krieg, Waffen, Anschläge, Drohnen usw.:
    Wie war das noch einmal mit der Sprengung von Nord Stream 2? Wer unterstützt Terrorregime wie etwa jenes in Syrien oder das Völkermordregime in Israel? Wer macht seit vielen Jahren Drohnenmorde rund um den Globus per Logistik aus Ramstein möglich? Wer ruiniert die eigene Wirtschaft und installiert nach und nach ein autoritäres Oligarchensystem? Wer unterstützt Neonazi-Bataillone in der Ukraine? Nur so viel sei verraten: Putin ist’s nicht. Die deutsche Bundesregierung sollte nicht bei Lanz vertreten sein, sondern auf der Anklagebank des internationalen Strafgerichtshof sitzen.

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