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Eine Morddrohung kann man doch auch einfach mal aushalten. Mache ich schließlich auch. Neulich schrieb mir wieder jemand: „Eckhart, du linksgrün versiffte Nazischlampe.“

Es stimmt: Ich bin schwer einzuordnen.

Originalton:

Mein Mann ist jetzt Parteimitglied. Ja, früher hat dieser Satz gereicht. Heute muss man leider auch noch dazusagen, in welcher Partei. Er ist bei den Linken – da zahlt man keinen Mitgliedsbeitrag.

Mein Mann hat nämlich kein Einkommen, abgesehen vom Flaschenpfand. Er ist allerdings kein Flaschensammler. Er säuft die Flaschen selbst leer – und macht damit erstaunlich gutes Geld. Oft steht der Pfandautomat ja direkt im Supermarkt. Mein Mann holt sich die Flaschen in Gang 2, säuft sie in Gang 3 leer und gibt sie in Gang 4 zurück.

Er bezeichnet sich selbst als Vollzeit-arbeitslos und Teilzeit im Vollrausch. Seit er Politiker ist, steht er außerdem unter dem Schutz des Paragrafen 188 über Politikerbeleidigung. Das bedeutet: Ich darf ihn nicht mehr „Schwachkopf“ nennen. Das macht mir allerdings nichts – ich kann auch ohne Worte sehr weh tun.

Manche verklagen ja inzwischen alles und jeden. Das ist so unsouverän. Eine Morddrohung kann man doch auch einfach mal aushalten. Mache ich schließlich auch. Neulich schrieb mir wieder jemand: „Eckhart, du linksgrün versiffte Nazischlampe.“

Es stimmt: Ich bin schwer einzuordnen.

Dann stand da: „Ich finde raus, wo du wohnst.“ – Er weiß es doch. Er hat mir ja selbst den Brief geschrieben. „Ich werde dich töten, wenn du es am meisten erwartest.“

Nicht schön, aber wegen so etwas renne ich doch nicht zur Polizei. Ich kenne die Handschrift meines Mannes. Der hatte einfach einen schlechten Tag und ist sowieso ein Schwächling.

Es fehlt mir schon ein bisschen. Aber ich habe jetzt neue Möglichkeiten, seit er bei den Linken ist. Wenn er wieder herumbrüllt: „Nazis!“, kann ich sagen: „Oh oh – wer hat denn da nicht gegendert?“

Gegendert werden ja nur die Guten. Nazis und Milliardäre nicht. Außer Alice Weidel – die nennt man gern „Nazischlampe“. Das finde ich allerdings sprachlich unsauber, denn bei diesem Begriff ist unklar, ob „Nazi“ determinativ oder possessiv gemeint ist. Im determinativen Fall ist die Nazischlampe selbst ein Nazi. Im possessiven Fall gehört sie einem Nazi.

Letzteres kann aber nicht stimmen, denn sie ist eine Frau dunkler Hautfarbe, und jemanden so einen Nazi zu nennen – das hätte der Führer nicht gewollt.

Ich mache das ohnehin nicht: Politiker beleidigen. Ich trete nicht nach unten. Das ist schlecht für die Knie. Und mit „nach unten“ meine ich nicht den Charakter, sondern das Einkommen.

Friedrich Merz bekommt 30.000 Euro im Monat. Klingt für mich nach Bürgergeld. Ich habe übrigens nichts gegen Bürgergeld. Manche wollen nicht arbeiten – ich will auch nicht arbeiten, deshalb mache ich das hier. Und von meinen Steuern bezahle ich lieber einen Schmarotzer fürs Nichtstun als den Merz fürs Arbeiten.

Der kauft sich von meinem Geld nämlich nur Waffen. Zur Abschreckung. Er will sie nicht einmal benutzen. Und was ist, wenn es gar nicht zum Weltkrieg kommt? Können wir die Panzer dann zurückgeben? Mit Retourenschein? „Farbe gefällt mir nicht“ oder „versehentlich bestellt“.

Warum muss man überhaupt alles neu kaufen? Gerade bei Panzern gibt es sehr schöne Gebrauchtmodelle. Manche waren sogar schon in Russland – die kennen also den Weg. Man holt sich einfach die Ludolfs, die reparieren Görings alte Junkers. Das Hakenkreuz bleibt zur Abschreckung natürlich dran.

Jede Woche wird irgendwo in Deutschland eine Weltkriegsbombe entschärft. Lasst sie doch drin – die ist noch gut. Was wir wirklich brauchen, ist Drohnenabwehr. Die kollidieren dann einfach mit den Helikoptereltern.

Und wer soll die ganzen Waffen überhaupt bedienen? Die Bundeswehr braucht dringend Leute. Trotzdem wurden gerade wieder hundert Soldaten wegen Rechtsextremismus entlassen. Ist Fremdenfeindlichkeit für Soldaten nicht eigentlich eine Kernkompetenz? Im Kampf doch eher von Vorteil als jemand, der im Kessel einen Sitzkreis machen will. Entlassen wurden sie, weil sie den Hitlergruß gezeigt haben. Der schreckt den Feind vermutlich mehr ab als der YMCA-Tanz.

Ginge es nach mir, bestünde die Bundeswehr ausschließlich aus Rechtsextremen. Dann wären sie beschäftigt. Besser die Rechten durch die Pampa schicken als ins Parlament. Jeden Hitlergruß würde ich sofort mit Wehrdienst ahnden.

Dann hätten wir auf einen Schlag das Rechtsrock-Regiment, die Shampoo-Staffel Sylt und die Brigade Ballermann.

Was wollen Sie denn mit linken Soldaten, die im Gefecht rufen: „Schafft Grenzen ab!“? Da sagt Putin doch sofort: „Bin dabei.“ Die kommen wahrscheinlich direkt vom Lastenrad in den Leopard-Panzer und freuen sich über die Beinfreiheit. Dann hätten wir auf einen Schlag das Rechtsrock-Regiment, die Shampoo-Staffel Sylt und die Brigade Ballermann.

Die kommen wahrscheinlich direkt vom Lastenrad in den Leopard-Panzer und freuen sich über die Beinfreiheit.

 

 

 

 

 

 

Eckharts Waffen-, Bundeswehr- und Abschreckungsbilder

Kabarett als letzte Restaufklärung – und warum das bereits ein Armutszeugnis ist

Wenn Kabarett mehr Wahrheit transportiert als Nachrichtensendungen, dann ist nicht das Kabarett radikal geworden, sondern die Öffentlichkeit verrottet.

Lisa Eckhart sagt auf der Bühne das, was Journalisten nicht mehr dürfen, Politiker nicht mehr können und Medien nicht mehr wollen: den Zusammenhang zwischen Macht, Geld, moralischer Pose und intellektueller Verwahrlosung.

Ihr Text ist keine Provokation, sondern eine Diagnose. Er zeigt eine Politikklasse, die sich mit Paragrafen gegen Spott immunisiert, während sie Milliarden für Waffen ausgibt, deren Zweck sie selbst nicht mehr erklären kann. Beleidigungsschutz für Politiker, aber Verachtung für Bürger – das ist die neue Asymmetrie. Wer oben sitzt, ist empfindlich. Wer unten zahlt, soll gefälligst schweigen.

Die Pointe mit dem „Politiker unter Schutz“ ist kein Witz, sondern eine Zustandsbeschreibung: Der Staat schützt nicht mehr Debatten, sondern Egos. Medien spielen dabei brav mit. Sie rahmen Kritik als „Hass“, Ironie als „Grenzüberschreitung“ und Kabarett als „problematisch“, solange es nicht nach oben, sondern querschlägt. Satire darf alles – außer stimmen.

Eckharts Waffen-, Bundeswehr- und Abschreckungsbilder sind deshalb so wirksam, weil sie den medialen Ernst der Sicherheitsrhetorik zerlegen. Milliarden für Panzer, Rückgaberecht ausgeschlossen, strategische Logik optional. Gleichzeitig wird Moral simuliert, als ließe sich Weltpolitik gendern. Die Nachrichtensprache klingt dabei wie Kabarett – nur ohne Pointe und ohne Selbstzweifel.

Die eigentliche Medienkritik steckt zwischen den Zeilen: Wenn Komiker erklären müssen, wie Politik funktioniert, dann haben Redaktionen ihren Job aufgegeben. Und wenn Spott als Gefahr gilt, aber politische Inkompetenz als Zumutung durchgeht, dann ist die Rollenverteilung endgültig gekippt.

Kurz: Das hier ist kein „umstrittenes Kabarett“. Es ist ein unfreiwilliger Lagebericht über ein Land, in dem Satire Realismus ersetzt – und Journalismus Dekoration ist.

 

ARD und ZDF: Wie man Kritik neutralisiert, indem man sie sendet

ARD und ZDF haben ein perfides Talent entwickelt: Sie laden Kritik ein – und entschärfen sie durch Kontext. Lisa Eckhart darf bei Nuhr im Ersten auftreten, weil sie dort exakt das ist, was das System braucht: die kontrollierte Abweichung. Der Sender zeigt Satire, um sich gegen den Vorwurf der Einseitigkeit zu immunisieren, nicht um ihn zu widerlegen.

Die Rahmung ist entscheidend. Eckhart erscheint nicht als Stimme, sondern als „Figur“. Als Kabarettistin, als Exzess, als Grenzgang. Ihre Aussagen werden nicht diskutiert, sondern toleriert. Das ist kein Journalismus, das ist museale Verwaltung von Dissens. Kritik wird ausgestellt wie ein präpariertes Tier: interessant, aber ungefährlich.

ARD und ZDF senden Satire inzwischen wie ein Sicherheitsventil. Einmal die Woche darf gelacht werden – danach geht es weiter mit der gleichen politischen Erzählung, den gleichen Sprachregelungen, den gleichen moralischen Etiketten. Wer lacht, hat ja schon „Dampf abgelassen“. Genau darum geht es.

Besonders entlarvend ist das Schweigen danach. Eckharts Inhalte werden nicht aufgegriffen, nicht vertieft, nicht journalistisch weiterverarbeitet. Kein „Was meint sie damit?“, kein „Stimmt das?“, kein „Was sagt das über unsere Politik?“ Stattdessen: betretenes Weiterreichen an die Kulturredaktion. Satire wird isoliert, damit sie nicht ansteckend wirkt.

So verwandeln ARD und ZDF-Kritik in Folklore. Sie senden sie, um zu beweisen, dass sie sie nicht brauchen. Wer dort wirklich etwas sagt, was den Meinungskorridor sprengt, bleibt Kabarettist – auf keinen Fall Gesprächspartner. Das ist kein Zufall, das ist Systempflege.

Der eigentliche Skandal ist also nicht, dass Lisa Eckhart das sagen darf. Der Skandal ist, dass sie es nur dort sagen darf – und dass danach wieder dieselben Moderatoren dieselben Phrasen in dieselben Kameras sprechen, als wäre nichts passiert.

Kurz gesagt:

ARD und ZDF haben Meinungsvielfalt nicht abgeschafft. Sie haben sie kuratiert. Und damit unschädlich gemacht.

 

 

 

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