Alle Beiträge

„Am Telefon…. Björn Höcke….. Hallo Papa“ ……… Man konnte förmlich sehen, wie der Staats-Trojaner der Zuhörer im Gehirn auf 180 lief.

 

Selbst wenn die Comedian-Geschichte in der Tram erfunden ist oder manipuliert dargestellt wird,

sie spiegelt sehr gut unsere Zeiten wider.

Nicolai Binner wortwörtlich: 

„Kennt ihr das auch, dass ihr in der Öffentlichkeit absichtlich provokante Gespräche extra laut führt, nur um euer Umfeld zu triggern?

Du sitzt in einem randvollen Bahnabteil, keiner redet, alles ist still – und du denkst dir: Jetzt ist der Moment, um über die AfD zu reden.

Neulich war ich mit einem Kumpel unterwegs, den ihr alle kennt: Leo von „Ketzer der Neuzeit“. Wir saßen in einer Tram in der Nähe der FU. Plötzlich stieg eine Gruppe Studenten ein. Ohne dass wir uns abgesprochen hätten, schauten wir uns nur an und wussten: Jetzt ist unser Moment gekommen.

Wir haben nicht einmal wirklich über das Thema gesprochen. Ich habe einfach völlig aus dem Zusammenhang heraus gesagt:

„Ja, Mann, Massenmigration ist Deutschlands Untergang.“

Daraufhin meinte er: „Ja, Mann, außerdem ist Putin doch gar nicht das Problem. Die NATO ist das Problem. Und die Leute, die glauben, Putin sei das Problem, glauben auch, dass die Mondlandung stattgefunden hat.“

Dann sagte ich: „Oh, warte mal, ich bekomme gerade einen Anruf. Ach, Björn Höcke. Hallo Papa.

Er fragt mich, ob ich mit ihm und Thilo Sarrazin eine Demo gegen Frauenrechte organisieren will.

Ich sage: „Ja klar, das wäre mir ein inneres Reichstagsstürmen. Aber Papa, ich muss jetzt auflegen. Leo und ich treffen uns gleich mit Tim Kellner und Alice Weidel am Denkmal der Schande. Tschüss.“

Ihr hättet die Gesichter dieser Studenten sehen sollen.

Diese Mischung aus Wut und völliger Fassungslosigkeit. Man konnte förmlich sehen, wie der Staats-Trojaner im Gehirn auf 180 lief. Die mussten erst mal eine Stunde Tagesschau schauen, um ihre innere Matrix wieder zu sortieren.

Apropos Björn Höcke: Der wurde letztes oder vorletztes Jahr zu einer Geldstrafe von über 10.000 Euro verurteilt, weil er „Alles für Deutschland“ gesagt hat.

Ganz schlimme Parole, oder? Da sind wir uns doch alle einig, wie schlimm das ist.

Dann bekam er ein halbes Jahr später noch einmal eine Strafe, weil er angeblich „Einiges für Deutschland“ gesagt hat.

Und nächsten Monat steht er wieder vor Gericht, weil er irgendetwas für Deutschland gesagt haben soll.

Das sind die Zeiten, in denen wir leben.

Aber falls ihr jetzt glaubt, ich wäre ein Comedian für irgendeine rechte Bubble, muss ich euch enttäuschen. Denn in dem Moment, in dem in Deutschland die Rechten das Sagen haben, ist es auch der Moment, in dem ich mit Regenbogenflagge und Strapsen auf dem Alexanderplatz tanze.“

Provokation als Spiegel – Wie ein Comedian die Erregungsmechanik testet

Auch Generalkritiker müssen gelegentlich Luft holen. Dauerempörung ist schließlich kein nachhaltiges Geschäftsmodell. Man kann Bücher lesen, Musik hören, Bäume umarmen – oder man geht dahin, wo es noch erlaubt ist, laut über Politik zu lachen: in eine Comedyshow. Das Problem: Wirklich politische Comedy ist in Deutschland fast ausgestorben. Übrig geblieben sind Betroffenheitswitze und Wohlfühlhumor. Umso erfreulicher, wenn jemand den Mut hat, den Spiegel nicht nur hochzuhalten, sondern auch schmerzhaft nah vors Gesicht zu drücken. Hier kommt eine seltene Ausnahme: Nicolai Binner. Und ja – ich bin Fan.

Nenn mir deinen Lieblings-Comedian, und ich sage dir, wer du bist.

Ein öffentlicher Raum, ein paar laut gesprochene politische Reizwörter – AfD, Migration, Putin, NATO – und eine sofortige Wirkung. Kein Streit, keine Nachfrage, kein Lachen. Stattdessen: Schock, Wut, innere Alarmbereitschaft.

Der Comedian Nicolai Binner beschreibt keine Comedy-Situation, sondern einen Feldversuch. Ein öffentlicher Raum, ein paar laut gesprochene politische Reizwörter – AfD, Migration, Putin, NATO – und eine sofortige Wirkung. Kein Streit, keine Nachfrage, kein Lachen. Stattdessen: Schock, Wut, innere Alarmbereitschaft.

Bemerkenswert ist nicht das Gesagte, sondern das, was nicht mehr stattfindet. Kein Denken, kein Abwägen, keine Ironie Erkennung. Die Reaktion ist reflexhaft. Als würde ein inneres Warnsystem anspringen, lange bevor Inhalte überhaupt verarbeitet werden. Satire wird nicht geprüft, sondern als Risiko markiert.

Das ist kein individuelles Versagen, sondern ein strukturelles. Diese Form von Reaktion ist antrainiert. Jahrelange mediale Dauerbeschallung – Talkshows, Leitartikel, Sondersendungen, „Einordnungen“ – hat politische Begriffe nicht erklärt, sondern konditioniert. Wörter wurden zu moralischen Reizstoffen. Wer sie ausspricht, gilt nicht als jemand mit Argumenten, sondern als jemand mit Verdacht.

Die Propaganda-Tagesschau spielt dabei eine zentrale Rolle. Nicht, weil sie (nur) lügt, sondern weil sie Ordnung vorgibt. Sie liefert weniger Information als Beruhigung: Wer ist gut, wer ist böse, was darf gedacht werden, was gilt als „umstritten“? Diese ritualisierte Welterklärung erzeugt keine Mündigkeit, sondern Abhängigkeit. Wer irritiert wird, greift instinktiv zur nächsten „richtigen“ Einordnung – notfalls innerlich.

So entsteht eine Öffentlichkeit, die nicht mehr zuhört, sondern scannt. Nicht fragt, sondern etikettiert. Nicht widerspricht, sondern innerlich meldet: Alarm. Abweichung. Gefahr. Ironie wird dabei nicht als Denkform verstanden, sondern als Störung der moralischen Ordnung.

Binners Szene legt genau diese Fragilität offen. Nicht rechte Parolen sind das eigentliche Problem, sondern eine Gesellschaft, die schon an gespielter Übertreibung scheitert. Eine Öffentlichkeit, die sich für aufgeklärt hält, aber bei falschen Wörtern sofort in den betreuten Tagesschau-Modus zurückfällt.

Wer heute noch mit bloßer Sprache etwas auslösen kann, zeigt keine Radikalität. Er zeigt, wie sehr Denken durch mediale Routine ersetzt wurde – und wie dünn die Decke der sogenannten kritischen Öffentlichkeit inzwischen ist.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert