Oder: Krieg denen oben. Frieden denen unten.
Der Satz „Friede den Hütten! Krieg den Palästen!“ stammt aus dem Jahr 1834 –verbreitet unter anderem vom Pfarrer Weidig. Er war ein politischer Weckruf gegen Machtmissbrauch und soziale Kälte. Fast 200 Jahre später hat sich das gedankliche Grundmuster in Deutschland kaum verändert: Oben wird entschieden – unten wird gezahlt, gekämpft und gestorben (siehe Afghanistan).
In dieser Tradition argumentiert heute auch der Priester Eugen Drewermann. Nicht mehr als Kirchenmann, sondern als unbequemer Kritiker, der den Zusammenhang von Politik, Moral und Gewalt offenlegt.
In Anlehnung an das, was Herr Leye hier formuliert, stelle ich ein paar Thesen zur Diskussion. Für die einen ist das überfälliger Klartext. Für die anderen eine Zumutung.
Bundeswehr abschaffen – und durch eine defensive Bürgerverteidigung ersetzen.
Eine Armee, die politisch instrumentalisiert wird, strategisch zwischen Bündnislogiken taumelt und auf militärische Szenarien gegen globale Großmächte ausgerichtet ist, taugt weder zur glaubwürdigen Verteidigung noch zur Abschreckung. Sie ist ein teures Ohnmachtssymbol ohne klare Funktion. Sicherheit entsteht nicht durch dysfunktionale Strukturen, sondern durch nachvollziehbare, gesellschaftlich verankerte Konzepte. Die Bundeswehr in ihrer jetzigen Form ist das Gegenteil davon. Der Satz von Peter Struck, „Deutschlands Sicherheit wird auch am Hindukusch verteidigt“, steht bis heute exemplarisch für diese strategische Entgrenzung.
Bürgerverteidigung nach Schweizer Vorbild (auch ohne NATO) einführen.
Statt einer entkoppelten Berufsarmee: ein verteidigungsfähiges, eingebundenes Gemeinwesen. Die Schweiz zeigt, dass Abschreckung auch dezentral, defensiv und bürgernah organisiert werden kann – allerdings nur mit klarer Ausbildungspflicht, Struktur und gesellschaftlicher Verankerung. Wer sein Land verteidigt, muss es nicht erst im Einsatz kennenlernen. Verantwortung gehört zurück in die Gesellschaft.
Atomwaffenstützpunkte raus aus Deutschland.
Wer fremde Atomwaffen auf eigenem Boden duldet, ist Teil eines nuklearen Zielsystems. Diese Standorte machen Deutschland im Ernstfall zur ersten Adresse für nukleare Gegenschläge. Souveränität sieht anders aus.
NATO-Austritt zumindest als Option ernsthaft prüfen.
Die NATO ist kein rein defensives Bündnis, sondern ein geopolitischer Akteur mit globalem Anspruch. Deutschland ist darin politisch und militärisch eng eingebunden – oft ohne eigene strategische Linie. Wer von Souveränität spricht, darf die Exit-Frage nicht tabuisieren.
Stattdessen: ein eigenständiges europäisches Verteidigungsbündnis.
Kein Interventionsapparat, sondern ein klar begrenztes Verteidigungsmodell unter politischer Kontrolle der Mitgliedstaaten. Ziel: Frieden sichern, Eskalationen vermeiden, Diplomatie stärken. Europa hätte die wirtschaftliche und politische Kraft dazu – wenn es sich aus einseitigen Abhängigkeiten löst.
Nichtangriffsangebote prüfen – auch die aus Moskau.
Wer Frieden will, muss Gesprächsangebote prüfen, selbst wenn sie vom angeblichen Gegner kommen. Blindes Vertrauen wäre naiv – aber reflexhafte Ablehnung ist ebenso Strategielos. Entscheidend ist nicht, wer etwas anbietet, sondern unter welchen Bedingungen und mit welchen Kontrollmechanismen.