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Freund gut, Feind böse – so einfach geht Politik

  • Hagen Rether und die Kunst, Freund und Feind zu verwechseln
  • Hagen Rether: Wenn die Falschen das Richtige falsch machen
  • Hagen Rether und unsere bequemen Feindbilder
  • Hagen Rether und die Moral mit zweierlei Maß

Wortlaut Transkript:

Die Drecks-Nordkoreaner. Das ist ein Pack. Nee, das waren ja die Amerikaner. Ich verwechsle die jedes Mal. Es ist jedes Mal. Irakkrieg, diesen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg mit Hunderttausenden Toten und diese tausenden zivilen Drohnenopfer am Hindukusch. Das waren die Drecks-Nordkoreaner. Nee, das waren auch die Amerikaner. Nee, die Nordkoreaner? Genau. Das waren die mit Monsanto und Halliburton und Blackrock. Todesstrafe und Foltergefängnisse, das waren die Drecks-Nordkoreaner. Das waren auch die Amerikaner. Schade, dass das nicht alles die Nordkoreaner gemacht haben. Wir hätten so ein gut begründetes Feindbild, so eine schöne begründete Nordkorea-Feindlichkeit. Nicht diese irrationale Amerika-Feindlichkeit, unbegründeten, dumpfen Ressentiments dauern gegen Amerika, wo keiner weiß, wieso. Absurd, das haben die Nordkoreaner. diese ganze Spionagesoftware an diese ganzen Diktaturen verkauft, von China bis Bahrain, damit die ihre Oppositionellen in Ketten legen können und die Dissidenten finden und plattmachen können. Das waren die Drecks-Nordkoreaner. Und die haben diese Waffen verkauft an Staaten wie Libyen und Saudi-Arabien, wo man da Leute enthauptet. Giftgas an Assad und an Saddam Hussein, das waren diese  Drecks ……. Nee, das waren ja wir.

Diese Drecks-Nordkorianer…

Hagen Rether und die wunderbare Einfachheit unserer Feindbilder

Bewusst habe ich diesen älteren Ausschnitt von Hagen Rether ausgewählt. Erfahrungsgemäß lassen sich Ereignisse mit zeitlichem Abstand nüchterner betrachten als mitten in der aktuellen politischen Erregung.

Sachliche Argumente sind unverzichtbar. Aber wenn sie zum hundertsten Mal ausgetauscht worden sind und jeder nur noch sein eigenes Weltbild bestätigt, kann eine gehörige Portion Satire manchmal mehr bewirken als zehn Seiten Analyse.

FEINDBILDER SIND SO SCHÖN EINFACH

Hagen Rether beherrscht diese Methode meisterhaft. Er überzeichnet, provoziert und wird drastisch – nicht als Ersatz für Argumente, sondern um eingefahrene Denkmuster sichtbar zu machen.

In diesem Ausschnitt zerlegt er mit einem ebenso simplen wie wirkungsvollen Kunstgriff die Bequemlichkeit politischer Feindbilder: Man nehme dieselbe Handlung, vertausche Freund und Feind – und beobachte, wie sich plötzlich unsere moralische Bewertung verändert.

Das ist böse. Das ist zynisch. Und genau deshalb lohnt es sich, hinzuhören.

Rether dient auch hier als Störenfried der eigenen Gewissheiten. Das passt sehr gut zu Generalkritik.

Dabei sind Rethers einzelne Tatsachenbehauptungen in diesem älteren Ausschnitt nicht automatisch deshalb richtig, weil seine kabarettistische Konstruktion brillant ist. Aussagen über Waffenlieferungen, Giftgas oder Spionagesoftware müssen im Einzelnen überprüft werden. Satire darf zuspitzen – Tatsachenbehauptungen bleiben überprüfbar.

Und schließlich bleibt nur zu hoffen, dass das Publikum nicht wegen der schauspielerischen Verwirrtheit des Vortragenden klatscht, sondern wegen des hochbrisanten Perspektivwechsels: Rether führt vor, wie schnell sich unsere moralischen Maßstäbe verschieben können, sobald nur Freund und Feind die Plätze tauschen.

Und dieser Mechanismus kann jeden von uns bei seinen politischen Urteilen erwischen.

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