Der eigentliche Skandal liegt nicht nur in dem Zitat selbst. Er liegt darin, dass solche Sätze 2014 im Bundestag vorgelesen werden konnten – und der große westliche Moralapparat trotzdem sehr schnell wusste, wohin er nicht so genau schauen wollte.
Gysi hat 2014 keinen russischen Propagandasatz geliefert, sondern einen westlichen Verdrängungssatz zerstört: Wer mit Rechten gegen den jeweils passenden Feind paktiert, verliert das Recht, sich später als oberster Antifaschist aufzuspielen.
Hin und wieder fungiert Generalkritik hier auch als Mahnmal, alle Teile einer Geschichte möglichst im Zusammenhang zu sehen. Das politische System in der Ukraine war 2014 zutiefst intransparent – und diese Intransparenz macht es Kritikern der heutigen ukrainischen Regierung bis heute leicht.
Gysis Warnung vor dem Einfluss rechter und nationalistischer Kräfte bezog sich vor allem auf die Übergangsphase nach dem Maidan und auf bestimmte Machtpositionen im Sicherheitsapparat.
Wer damals rechte und offen nationalistische Kräfte in der Ukraine kleinredete, sollte heute nicht so tun, als sei jede Kritik an Kiew automatisch russische Propaganda. Das ist intellektuell billig und politisch durchsichtig.
Und wer in Deutschland heute mit großer moralischer Geste gegen alles kämpft, was er als „rechts“ bezeichnet, müsste mindestens ebenso scharf gegen Regierungen auftreten, die von einem Krieg in den nächsten schlittern – ob unter Trump, Netanjahu oder anderen politischen Machtspielern.